Oase für Körper, Geist und Seele
Katathymes Bilderleben
Praktische Anwendung
Nach einer kurzen gezielten Trance-Einleitung, die eine psychophysische
Umstellung beim Klienten bewirkt und die Aufmerksamkeit auf innerpsychische
emotionale Prozesse lenkt, schlägt der Therapeut ein Motiv vor,
z. B. einen Bach, ein Baum,
eine Blume,
eine Bergwanderung, oder ein Haus.
Dadurch werden aktuelle Stimmungen, bewusste und unbewusste
Konflikte sowie Ressourcen im Sinn der prozessualen Aktivierung
angesprochen und zur Entfaltung in Bildern, Szenen und Geschichten angeregt. Innere Befindlichkeiten und Muster aus dem
„unbewußten Gedächtnis“ werden durch diesen
Primärprozess mobilisiert und gleichzeitig bearbeitet,
d.h. in symbolisch verdichteter Form dargestellt.
Im Unterschied zu den Nachtträumen beschreibt der
Tagträumer aktuell, was er beobachtet, erfährt und was sich vor
seinem inneren Auge abspielt: was er fühlt,
tastet, hört, riecht, oder schmeckt. Insofern vermittelt die Imagination im Sinne des
katathymen Bilderleben ein umfassenderes Erlebnis als eine blosse Visualisierung.
Entsprechend kann der Therapeut im Dialog mit dem Klienten diesen während des
Imaginierens begleiten: Er kann ihn vor zu grosser Angst schützen,
ihn durch empathisches Verstehen zu weiterer Exploration anregen,
ihn in der Konfrontation mit Konfliktmaterial unterstützen sowie mit
Hilfe „Hilfscharaktern“ und von Probehandeln zu neuen Verständnis,
Verhaltensweisen und Beziehungserfahrungen ermutigen.
Im Unterschied zu anderen Visualisierungstechniken zeichnen
sich die katathymen Imaginationen dadurch aus, dass sie nicht nur optische Eindrücke plastisch vor Augen führen, sondern
grundsätzlich alle Sinnesmodalitäten umfassen und sich in
inneren Handlungsvollzügen von Tagtraumcharakter entfalten.
Durch vorherige Tranceeinleitung beim Klienten, kommt
es zu einer kontrollierten Regression und Lockerung der
kognitiven Abwehr.
Das Beiwort „katathym“ verdeutlicht den zentralen Punkt der Methode:
die inneren Vorstellungen entstehen „aus dem Gefühl heraus“,
werden also nicht willentlich gesteuert
Auf der Bildebene des Tagtraums kommen neben der aktuellen
Befindlichkeit des Klienten u.a. seine Wesenszüge,
Verhaltenseigentümlichkeiten, Ressourcen, Motivationsstrukturen
und zentralen unbewussten Beziehungskonflikte symbolisch zur Darstellung.
Das Katathym Imaginative Bilderleben bietet zudem eine Förderung und Anregung
der Symbolisierungsprozesse an. Dies ist eine Voraussetzung für positive Änderungen
der Persönlichkeitsstruktur sowie der Integration des innerlich neu
Erlebten in den Alltag des Klienten (Transfer).
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